Mitten im Bergdorf Mulegns am Julierpass entsteht ein aussergewöhnliches Bauwerk: Der Weisse Turm, auch bekannt als Tor Alva, ist ein 30 Meter hohes, 3D-gedrucktes Gebäude, das als Kulturort für Konzerte, Theater und Installationen dienen wird. Die Eröffnung ist für Mai 2025 geplant. Entworfen wurde der Turm von Prof. Benjamin Dillenburger (DBT) und seinem Team an der ETH Zürich für die Nova Fundaziun Origen.
Das architektonische Konzept basiert auf 32 verzweigten Säulen, die fünf Geschosse tragen und gleichzeitig die charakteristische Fassade des Gebäudes formen. Diese Säulen sind hohl, bewehrt und wurden im robotergestützten 3D-Druckverfahren hergestellt – insgesamt 184 Einzelteile aus 2‘500 Betonschichten. Das Verfahren erlaubt es, den Beton ausschliesslich dort aufzutragen, wo er statisch benötigt wird. Auf eine Schalung kann vollständig verzichtet werden, was neue Spielräume für Gestaltung, Materialeinsatz und Nachhaltigkeit eröffnet.
Die vertikale Raumabfolge beginnt mit dunklen, geschlossenen Räumen im Sockelbereich und führt hinauf zu einem lichtdurchfluteten Konzertsaal unter der Turmkuppel. Dieser bietet Platz für 45 Besucher und einen Panoramablick über das Juliertal. Der Innenraum lebt vom Spiel aus Licht und Schatten, erzeugt durch die markante Textur der Säulen. Jede Etage ist mit einem eigenen ornamentalen Motiv gestaltet und bietet so ein einzigartiges Raumerlebnis.
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist seine Wiederverwendbarkeit. Der Turm ist modular aufgebaut, die Elemente sind über lösbare Verbindungen zusammengefügt und lassen sich ohne Klebemittel demontieren. Nach fünf Jahren soll das Bauwerk an einem neuen Ort wiederaufgebaut werden – ein konsequenter Schritt im Sinne des zirkulären Bauens.
Das Projekt vereint Forschung, Architektur und Bauinnovation. Mit seiner Höhe von 30 Metern ist der Weisse Turm das weltweit höchste Gebäude, das vollständig im 3D-Betondruck gefertigt wurde. Es demonstriert das Potenzial digitaler Fabrikation und zeigt auf, wie nachhaltiges und ressourceneffizientes Bauen künftig aussehen kann.